Nirgendwo in Ägypten kann man sich dieses Land mehr verinnerlichen als auf dem Nil. Eine Kreuzfahrt auf dem Nil, mit der vielleicht neuen Erfahrung der Langsamkeit, ist eine Reise in die Vergangenheit, derentwegen man auch hierher gekommen ist. Morgens schaut man den Fischern mit ihren kleinen Booten zu, die wie in pharaonischen Zeiten ihre Ruder flach aufs Wasser schlagen, um Fische in das Netz zu treiben. Früh aufzustehen lohnt sich, denn es bieten sich seltene Schauspiele der Natur: ein unvergesslicher Sonnenaufgang, Graureiher im Schilf, Eisvögel holen sich pfeilschnell ihr Frühstück, und die Wasserbüffel treten zum Bade im Fluss an.
Doch am schönsten ist eine Nilreise mit einem Segler. Die etwas behäbigen Schiffe verfügen meist über geräumige Kabinen mit Dusche und WC, eine Lounge und teils überdachte Sonnendecks. Frühstück gibt es auch an Bord – und was für eines. Meist wird den Gästen frischer Guavensaft, Tee und Omelette, Kaffee und Fladenbrot oder Käse mit Tomaten angeboten.
Wie in Zeitlupe zieht die Landschaft vorbei: Minarette in Palmenhainen, Bauern auf Eseln, Zuckerrohr- und Bananenplantagen, riesige Mangobäume. Irgendwann legt der Segler an. Es geht jetzt zum Viehmarkt nach Darau. Ein Gewimmel von Kühen, Wasserbüffeln, Schafen und Ziegen. Es verirren sich nur selten Touristen hierher und wenn, dann nur am Dienstag, zum großen Kamelmarkt. Das ist Ägypten!
Und dann die antiken Stätten von Luxor bis hin nach Assuan: Gott Horus in die Falkenaugen schauen, im großen Doppeltempel von Kom Ombo die Säulen und Wandreliefs bewundern, antike Steinbrüche in der Sandsteinhügelkette des Djebel es-Silsila zu durchwandern. Man fühlt sich wie ein Archäologe. Der Felsentempel von König Haremhab, die in den Fels gemeißelten Gräber und Dankestafeln für Gott Amun über dem Nil. Überall Spuren der Arbeiter, die vor mehr als 3000 Jahren riesige Blöcke aus Sandstein für Tempel und Obelisken schlugen. Man muss es gesehen haben.
Ein völlig anderes Bild bietet die westliche Wüste Ägyptens – irgendwo in der Mitte zwischen Nil und Libyschem Sandmeer. Mit dem Geländewagen holpert man über Dünen, Geröll und blanken Fels direkt ins „Tal der Wunder“, wo gewaltige Steinsäulen und Bögen aus der Ebene zum Himmel zeigen. Doch dann noch ein Wunder der Natur: Hoch türmen sich weiße Schollen, es sieht aus, als würde Schnee den gelben Sand zu überdecken. Surrealismus pur, es sind Kreidefelsen aus denen Sand und Wind, Hitze und Kälte Figuren wie Pilze, Hexenmasken, wilde Tiere oder Schachfiguren geformt haben. Ein ebenfalls unvergessliches Erlebnis.
Fehlt noch der Besuch einer Oase. Von Alexandria aus führt eine kerzengerade Straße zur „Oase Siwa“. Dort erwartet den Besucher ein von Palmen umgebenes Wüstenhotel. Auf einem Hügel liegt Siwas Altstadt Shali, genauer gesagt: die Ruinen. Heute wohnt man in der Ebene, nur Touristen kommen noch auf den Hügel. Rund um das Wüstenstädtchen zieht sich ein Heer von Dattelpalmen, in deren Schatten Olivenbäume, Zitrusfrüchte und Gemüse wachsen. Wasser gibt es mehr als genug im Wüstenparadies! Die „Faszination Wüste“ packt jeden. Spätestens hier, in der unwirklichen Kreidewelt zwischen den weißen Riesen, fühlt man sich wie auf einem anderen Stern.
Die „Bucht des alten Mannes“, so lautet die deutsche Übersetzung von Sharm El-Sheik. Vor einigen Jahren waren es nur einige einfache Herbergen, die Sharm El-Sheik bieten konnte, heute kann man aus über etwa 150 Hotel-Anlagen, die alle nach dem gleichen Muster gebaut sind, wählen. Sharm El-Sheik lockt mit Dauersonne und einer sensationellen Unterwasserwelt. Die lebendigen Riffe sind bunt und von einmaliger Schönheit und Vielfalt. Bereits beim Schnorcheln hat man das Gefühl, in ein Aquarium eingetaucht zu sein. Tausende Fische in allen Farben, scheue Riffhaie oder zutrauliche Delfine. An den Korallen fressen Papageienfische, etwas tiefer sieht man Schildkröten, und manchmal kommen auch bis zu zehn Meter lange Walhaie vorbei geschwommen, die man als sehr freundlich einstuft. Die Riffe am „Ras Mohammed“ westlich von Sharm El-Sheik sind zum Nationalpark erklärt worden.
Die ägyptische Küche hat sich in Jahrtausenden entwickelt und Rezepte aus Asien, Afrika genauso wie aus dem Mittelmeerraum übernommen. Speziell bei den vegetarischen Gerichten punktet Ägypten mit großer Auswahl und Raffinesse, die besonders bei den zahllosen Vorspeisen, genannt Mezze, zur Geltung kommen.
Eine typische Vorspeise ist Hummus, ein Kichererbsenpüree. Die Sesampaste Tahina die als Dip zu Falafel gereicht wird, Baba Ghannug, ein Auberginenpüree, und gefüllte Weinblätter. Dazu gibt es oft noch das ägyptische Fladenbrot (das oft auf abenteuerlichen Konstruktionen gebacken wird) und einen gemischten Salat aus Tomaten, Gurken, Zwiebel, Bulgur, gewürzt mit Zitronensaft und Petersilie.
Ägyptische Fleischgerichte werden häufig aus Lamm oder Hähnchenfleisch zubereitet, wobei dem grillen eine besondere Bedeutung zukommt. In der Nähe von Sakkara haben wir in einem kleinen Gartenrestaurant einmal sehr gut zubereitete, am Tisch fertiggegrillte Hähnchenstücke gegessen. Das Fladenbrot wurde fast neben unserem Tisch auf einem ausgebeulten Blech, unter dem ein Holzkohlenbecken stand, gebacken. Ein einzigartiger Genuss.
Ihr Nationalgericht gönnen sich die Ägypter schon zum Frühstück: Ful, eine Mischung aus Bohnen, Linsen, manchmal auch Karotten, Tomaten und Zwiebeln, das lange köchelt und zum Schluss mit Öl, Zitronensaft, Salz, Schwarzkümmel und anderen Gewürzen verfeinert wird. Dazu gibt es Salat und Tameja, falafelähnliche Bratlinge aus Bohnen. Sehr beliebt ist auch Kushari, ein Mix aus Nudeln, Reis, Linsen, Zwiebeln und scharfer Paprikasoße.
Die ägyptischen Nationalgetränke sind Kaffee (Ahwa) und Tee (Shai). Aber schon die Pharaonen haben Bier und Wein getrunken. Und beides wird auch heute noch in Ägypten selbst hergestellt. Verschiedene Biersorten werden übrigens nach deutschem Standard gebraut. Neuerdings ist sogar ein ägyptisches Weizen auf dem Markt.
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